Deutschland ist Europas CVC-Hochburg. Mit über 137 aktiven Corporate-Venture-Capital-Einheiten liegt das Land vor Großbritannien und auf Platz vier weltweit – hinter den USA, China und Japan. Doch welche Konzerne investieren tatsächlich, wie performen ihre Portfolios, und wo liegen die strukturellen Unterschiede zum klassischen Venture Capital? Dieser Leitfaden analysiert die fünf größten deutschen CVCs und ordnet das Ökosystem für Investoren, Gründer und Strategen ein.


Wichtigste Erkenntnisse

  • Deutschland führt in Europa: Mit 137+ aktiven CVC-Einheiten hat Deutschland mehr Corporate-Venture-Programme als jedes andere europäische Land. Die kumulierte Investitionskapazität der Top-10-CVCs übersteigt EUR 12 Milliarden.
  • Strategische Autonomie entscheidet über Performance: CVCs mit hoher operativer Unabhängigkeit – allen voran Next47/N47 mit 16 Unicorns und 12 IPOs – performen signifikant besser als eng an den Mutterkonzern gebundene Einheiten.
  • CVC ist nicht gleich VC: Die Kapitalstruktur (Bilanzfinanzierung vs. LP-Commitment), Entscheidungsgeschwindigkeit und das Spannungsfeld zwischen strategischem und finanziellem Return unterscheiden CVC fundamental vom klassischen VC.
  • Der Markt wächst, aber die Struktur verschiebt sich: Während das Gesamtvolumen deutscher VC-Investments 2025 auf EUR 8,4 Mrd. stieg (+19 %), sinkt die Zahl der Finanzierungsrunden seit drei Jahren – die Tickets werden größer, aber weniger Startups erhalten Kapital.

Die fünf größten deutschen CVCs im Überblick

CVC-Einheit

Mutterkonzern

Gründung

Fondsvolumen / AUM

Portfolio

Unicorns

Schwerpunkt

Bosch Ventures

Robert Bosch

2007

EUR 250 Mio. (Fund VI)

60+ aktiv / 150+ gesamt

k. A.

Deep Tech, Automation, Klima, Quanten

N47 (Next47)

Siemens

2016

~EUR 2 Mrd. gesamt

247

16

SaaS, AI, Enterprise (Financial-first)

BMW i Ventures

BMW Group

2011

EUR 500 Mio. + $300 Mio.

104

11

Automotive, Nachhaltigkeit, Supply Chain

Sapphire Ventures

SAP-nah

1996

$8,8 Mrd.+ AUM

170+

Mehrere

Growth-Stage Enterprise Tech

BASF Venture Capital

BASF

2001

EUR 1–5 Mio. pro Deal

135

k. A.

Dekarb., Circular, Biotech, Materialien


Bosch Ventures: Der Deep-Tech-Investor

Robert Bosch Venture Capital (RBVC) wurde 2007 in Stuttgart gegründet und gehört zu den erfahrensten industriellen CVCs in Europa. Mit sechs aufgelegten Fonds und über 150 Investments hat RBVC eine klare Positionierung im Deep-Tech-Segment aufgebaut. Der jüngste Fonds – Fund VI – wurde im Mai 2025 mit einem Volumen von EUR 250 Millionen aufgelegt.

Investmentfokus

  • Automation & Elektrifizierung – Industrieroboter, autonome Fahrzeuge, Antriebssysteme
  • Klimatechnologie & Energieeffizienz – Batterierecycling, Wärmepumpen, Energiemanagement
  • Enabling Technologies – KI, Quantencomputing, Halbleiter
  • Gesundheitssysteme – Medizintechnik, digitale Diagnostik

Bemerkenswerte Portfoliounternehmen

Startup

Segment

Status

IonQ

Quantencomputing

IPO (erstes börsennotiertes Quanten-Unternehmen)

Xometry

On-Demand-Fertigung

IPO

Aleph Alpha

Künstliche Intelligenz

Aktiv (europäischer KI-Champion)

Arduino

Open-Source-Elektronik

Aktiv

Syntiant

Edge-KI-Halbleiter

Aktiv

Quantum Motion

Quantencomputing (UK)

Aktiv (3. Quanten-Investment)

Performance-Bewertung

Mit 32 Portfolio-Exits – darunter zwei prominente IPOs (IonQ, Xometry) – gehört RBVC zu den wenigen europäischen CVCs mit nachweisbarem Rückfluss. Die Qualität zeigt sich in der Konsistenz: Sechs Fonds in 18 Jahren, ohne dass der Mutterkonzern das Programm je eingefroren hat.

Stärke: Technologische Tiefe, industrielle Vernetzung, Investmentkontinuität.

Schwäche: Weniger sichtbar im Consumer- und SaaS-Bereich; geringere Unicorn-Quote als vergleichbare US-CVCs.


Next47 (N47): Das Siemens-Experiment

Next47 – inzwischen unter dem Namen N47 operierend – ist das ambitionierteste CVC-Experiment eines deutschen Konzerns. 2016 als 100-prozentige Siemens-Tochter gegründet, agiert N47 heute mit einzigartiger Autonomie: keine Committee-Reviews, keine Business-Unit-Vetos, direkte Berichtslinie zwischen Managing Director und Siemens-CEO.

Was N47 von anderen CVCs unterscheidet

N47 operiert de facto wie ein unabhängiger VC-Fonds. Die Investmententscheidungen werden rein finanziell getroffen – strategische Synergien mit Siemens sind willkommen, aber kein Investmentkriterium. Erstausstattung: EUR 1 Milliarde (2016–2021), Gesamtvolumen inzwischen ~EUR 2 Milliarden.

  • 247 Portfoliounternehmen
  • 16 Unicorns im Portfolio
  • 12 IPOs
  • 102 Akquisitionen

Bemerkenswerte Exits

Unternehmen

Exit-Art

Käufer

Jahr

Deepscale

Akquisition

Tesla

2019

Rideos

Akquisition

Gopuff

2021

Turvo

Akquisition

Lineage Logistics

2022

Armorblox

Akquisition

Cisco

2023

Noname Security

Akquisition

Akamai

2024

Aeva

IPO

NYSE

2021

Markforged

IPO

NYSE

2021

Stärke: Höchste Autonomie aller deutschen CVCs, starke Exit-Bilanz, US-Exposure.

Schwäche: Primär US-fokussiert; geringerer strategischer Rückfluss an Siemens als bei klassischen CVCs.


BMW i Ventures: Mobilität trifft Klima

BMW i Ventures wurde 2011 in Mountain View, Kalifornien, gegründet – bewusst im Herzen des Silicon Valley, nicht in München. Fund I umfasst EUR 500 Millionen (nahezu voll investiert), Fund II wurde 2021 mit $300 Millionen aufgelegt. Investitionsrahmen: bis zu $10 Millionen pro Unternehmen, maximal 20 % Anteil.

Bemerkenswerte Portfoliounternehmen

Startup

Segment

Status

Solid Power

Festkörperbatterien

NASDAQ-gelistet

ChargePoint

EV-Ladenetzwerk

Börsennotiert

Boston Metal

CO₂-freie Stahlproduktion

Aktiv

PureCycle

Kunststoffrecycling

Börsennotiert

Turntide

Intelligente Motorsysteme

Aktiv (Unicorn)

Zum

Schüler-Transport

Aktiv (Unicorn seit 2024)

Mit 104 Investments, 11 Unicorns und 26 Exits gehört BMW i Ventures zu den produktivsten Automobil-CVCs weltweit.

Stärke: Starke Klimatech-Positionierung, Silicon-Valley-Netzwerk, hohe Unicorn-Quote.

Schwäche: US-Bias; die Verbindung zum BMW-Kerngeschäft ist bei manchen Investments dünn.


Sapphire Ventures & SAP.iO: Vom Corporate-Arm zum unabhängigen Schwergewicht

SAP.iO war der konzerneigene Startup-Accelerator und Investmentarm von SAP. Die Bilanz: 5 Unicorns, 70 Exits, 42.000+ Arbeitsplätze in 45 Ländern. Dennoch wurde SAP.iO 2024 eingestellt. Die Startup-Aktivitäten laufen nun über SAP PartnerEdge und das Hypergrowth Catalyst Program weiter.

Sapphire Ventures: Der Nachfolger im Großformat

Sapphire Ventures – ursprünglich als SAP Ventures gegründet (1996) – hat sich zum unabhängigen Investmenthaus mit über $8,8 Milliarden AUM entwickelt. Drei Strategien: Growth-Investments in AI/ML und B2B-SaaS, LP-Beteiligungen an Early-Stage-Fonds (u. a. Union Square Ventures, Point Nine Capital), und Sport-Tech (über Sapphire Sport, $300 Mio.).

Stärke: Größter AUM aller SAP-nahen Vehikel, echte Unabhängigkeit, globale Reichweite.

Schwäche: Kaum noch als „deutsches“ CVC zu klassifizieren; die SAP-Nähe ist primär historisch.


BASF Venture Capital: Chemie-VC seit 2001

BASF Venture Capital ist der älteste industrielle CVC Deutschlands. Seit 2001 in Ludwigshafen/Mannheim ansässig, investiert die Einheit mit Ticketgrößen von EUR 1–5 Millionen gezielt von Seed bis Series B. 135 Investments insgesamt.

Fünf strategische Säulen

  • Dekarbonisierung – CO₂-Reduktion in der Chemieindustrie
  • Kreislaufwirtschaft – Recycling, Wiederverwendung, Materialeffizienz
  • Biotechnologie – Bio-basierte Chemikalien, Enzyme, Fermentation
  • Digitalisierung – KI und Software für industrielle Prozesse
  • Neue Materialien – Funktionsmaterialien, Batteriechemie, Verbundwerkstoffe

Bemerkenswerte Portfoliounternehmen

Startup

Segment

Relevanz

Group14

Silizium-Batterietechnologie

Auch Porsche-backed

DePoly

Polyester-Recycling

Kreislaufwirtschaft

pH7 Technologies

Metallextraktion

Nachhaltige Chemie

ACT-ion

Kathodenaktivmaterialien

Batterie-Wertschöpfungskette

Stärke: Tiefste Industrieexpertise aller deutschen CVCs, 24 Jahre Track Record, klarer thematischer Fokus.

Schwäche: Kleine Tickets limitieren den Zugang zu spätphasigen Deals; kaum Unicorn-Potenzial im Portfolio.


Weitere relevante CVCs: Porsche, Merck, Telekom, Henkel, E.ON

Porsche Ventures

Investitionskapazität bis zu EUR 250 Mio.; jährlicher Rahmen von EUR 150 Mio. Portfolio: 52 Unternehmen, 4 Unicorns, 2 IPOs. Fokus auf Car & Mobility, Intelligent Enterprise, Sustainability. Büros in Luxemburg, Berlin, Palo Alto, Tel Aviv und Shanghai. Joint Venture mit DTCP: Incharge Capital ($120 Mio. für Mobilitäts-/Connectivity-Software).

M Ventures (Merck KGaA)

EUR 400 Mio. Evergreen-Fonds plus EUR 600 Mio. Erweiterung (2021). 133 Investments, ~50 aktive Portfoliounternehmen. Fokus auf Biotechnologie, Healthcare und Technologie. Einer der aktivsten Corporate-Technology-VC-Investoren global.

DTCP (Deutsche Telekom Capital Partners)

Growth Equity III Fund: $330 Mio. (Final Close). Plus Incharge Capital (Joint mit Porsche): $120 Mio. Gesamtkapital: $450 Mio. über zwei Fonds.

Henkel dx Ventures

EUR 150 Mio. Fonds. 10 Unternehmen (Stand Mitte 2024). Ticketgröße EUR 0,5–5 Mio., spätes Seed bis Series B. Fokus auf Digital Commerce, Nachhaltigkeit, Kreislaufwirtschaft und Consumer Goods Innovation.

Future Energy Ventures (E.ON)

2020 als Spin-off aus E.ON gegründet. Fund I: EUR 250 Mio. Fund II: EUR 205 Mio. (geschlossen Ende 2025). 53 Investments. Ticketgröße EUR 3–10 Mio. Fokus auf Energiewende-Technologien. Ankerinvestoren: E.ON SE, European Investment Fund (EIF), KfW Capital.


CVC vs. klassisches VC: Die strukturellen Unterschiede

Die Entscheidung, ob ein Startup CVC- oder VC-Kapital aufnehmen sollte, hängt von fundamentalen Strukturunterschieden ab.

Kapitalstruktur

Dimension

Corporate VC

Klassisches VC

Finanzierungsquelle

Konzernbilanz; unterliegt Konjunkturzyklen und Vorstandsentscheidungen

LP-Commitments mit 10-jähriger Laufzeit; Kapital ist gebunden

Stabilität

Anfällig für Konzern-Restrukturierungen, CEO-Wechsel, Strategieschwenks

Insuliert gegen Marktzyklen; Kündigungsklauseln sind selten

Zeithorizont

Oft unklar; 3–7 Jahre je nach Konzernstrategie

10 Jahre + Verlängerungen; klar definiert

Praxis-Beispiel: Als SAP 2024 SAP.iO einstellte, verloren Portfolio-Startups nicht nur einen Investor, sondern auch Zugang zum SAP-Ökosystem. Ein LP-finanzierter VC hätte den Fonds weitergeführt.

Entscheidungsprozesse

Dimension

Corporate VC

Klassisches VC

Deal-Geschwindigkeit

Tage bis Monate (Gremien, Compliance, strategische Prüfung)

Tage bis Wochen

Investmentkriterien

Strategischer Fit + finanzielle Performance

Primär finanziell (IRR, MOIC)

Veto-Risiko

Business Units können Deals blockieren (außer bei autonomen CVCs wie N47)

Kein externes Veto

Wertbeitrag für Startups

Dimension

Corporate VC

Klassisches VC

Vorteile

Domänenexpertise, Vertriebskanäle, Pilotprojekte, Industriezugang, Referenzkunden

Netzwerk, Governance-Expertise, Follow-on-Finanzierung, Board-Erfahrung

Risiken

Strategische Vereinnahmung, IP-Bedenken, Exit-Blockade durch Wettbewerberausschluss

Verwässerungsdruck, kurzfristiger Exit-Druck

Die deutsche Besonderheit

  • 43 % der deutschen CVCs haben eigene Venture-Clienting-Teams (Pilotprojekte mit Startups als Lieferanten)
  • 48 % betreiben zusätzlich zum Investing eigene Venture-Building-Programme
  • Enge Verzahnung mit Universitäten, Fraunhofer-Instituten und öffentlicher Forschungsförderung

Marktdaten und Trends 2024–2026

Gesamtmarkt: VC-Investitionen in Deutschland

Jahr

Volumen (EUR)

Veränderung

2023

~7,1 Mrd.

2024

~7,2–7,5 Mrd.

+4 %

2025

~8,4 Mrd.

+19 % (dritthöchster Wert aller Zeiten)

CVC-spezifische Kennzahlen

  • 137+ CVC-Einheiten investieren aktiv in Deutschland
  • Deutschland hat mehr CVC-Programme als jedes andere europäische Land
  • Aktive CVCs in Europa/EMEA sind in 20 Jahren um 700 % gestiegen (jetzt 328)
  • Zahl der Finanzierungsrunden sinkt seit drei Jahren (−12 % auf 755 in 2024) – aber Rundengrößen steigen

Sektorverteilung (2024–2025)

Sektor

Volumen 2024

Volumen 2025

Veränderung

Software & AI

EUR 2,2 Mrd.

EUR 2,7 Mrd.

+20 %

Energie

EUR 0,8 Mrd.

EUR 1,2 Mrd.

+43 %

FinTech

Top-3 (26 Deals)

HealthTech

Top-3 (26 Deals)

Top-Sektoren für EUR 100 Mio.+-Runden (2025)

  • KI für traditionelle Industrien
  • E-Commerce-Plattformen
  • Climate Tech
  • Quantencomputing
  • Nachhaltige Batterien

Herausforderungen und Kritik am CVC-Modell

Strukturelle Probleme

  • Kapitalinstabilität: CVC-Budgets hängen an der Konzernbilanz. In Abschwungphasen werden sie als Erstes gekürzt. Die Einstellung von SAP.iO 2024 ist das jüngste prominente Beispiel.
  • Strategischer vs. finanzieller Zielkonflikt: Die Dualität führt zu Kompromissen bei Investmententscheidungen – und zu Frustrationen bei Gründern, die sich als Feature-Zulieferer behandelt fühlen.
  • Langsame Entscheidungswege: Während ein klassischer VC in zwei Wochen ein Term Sheet vorlegen kann, durchlaufen CVCs oft monatelange Prüfprozesse.
  • Venture-Building-Problematik: 48 % der deutschen CVCs betreiben eigene Venture-Building-Programme. Die Realität: „In den meisten Fällen scheitert Venture Building im Corporate-Umfeld.“

Gründer-Perspektive: Risiken von CVC-Kapital

  • Strategische Abhängigkeit: Exklusive Partnerschaften können den Marktzugang einschränken
  • IP-Bedenken: Competitive-Intelligence-Abfluss an den Mutterkonzern
  • Exit-Blockade: Corporate-Investoren können Exits an Wettbewerber verhindern oder verzögern
  • Signal-Risiko: CVC-Beteiligung kann signalisieren: „Dieses Startup ist ein Feature, kein Unternehmen“

PwC CVC Value Impact Study: Erfolgsfaktoren

Die PwC-Studie zu 123 europäischen börsennotierten Unternehmen identifiziert drei Performance-Treiber:

  • Gender-Diversität: Höhere Frauenanteile im Investment-Team korrelieren mit besseren Markt-zu-Buch-Verhältnissen (+0,2 pro 10 % Anstieg)
  • VC-Erfahrung: Top-Performer haben Management-Teams mit 10+ Jahren VC-Erfahrung
  • Analysten-Coverage: Breitere Analystenabdeckung korreliert mit +0,6 im Markt-zu-Buch-Verhältnis pro 10 Broker-Reports

Due-Diligence-Checkliste für CVC-Investments

Für Gründer: Bevor Sie CVC-Kapital annehmen

  • Governance-Struktur prüfen: Wie autonom ist das CVC? Berichtet es an den CEO oder an eine Business Unit?
  • Exit-Klauseln verstehen: Gibt es Vorkaufsrechte, die Exits an Wettbewerber blockieren?
  • Exklusivität vermeiden: Keine exklusiven Partnerschaften, die den Marktzugang einschränken
  • IP-Schutz sicherstellen: Wie wird mit Wettbewerbsinformationen umgegangen?
  • Kapitalstabilität hinterfragen: Wie lange läuft der aktuelle Fonds? Gab es in der Vergangenheit Freeze-Perioden?
  • Follow-on-Fähigkeit prüfen: Kann und wird der CVC in spätere Runden mitinvestieren?
  • Referenzen einholen: Gespräche mit 3–5 aktuellen und ehemaligen Portfoliounternehmen führen
  • Strategischen Mehrwert quantifizieren: Konkrete Pilotprojekte, Kundenzugänge oder Vertriebskanäle – nicht nur Versprechen

Für Investoren: CVC-Performance bewerten

  • Track Record isolieren: Finanzielle Performance getrennt von strategischem Wert betrachten
  • Fondsstruktur prüfen: Bilanzfinanziert vs. dedizierter Fonds mit externer Governance
  • Teamkontinuität bewerten: Wie lange sind die Investment-Manager im Amt? CVC-Teams rotieren häufiger als VC-Teams
  • Benchmark gegen Independent VCs: Gleiche Vintages, gleiche Sektoren, gleiche Stages vergleichen

FAQ

Was ist Corporate Venture Capital (CVC)?

Corporate Venture Capital bezeichnet Investitionen von Großunternehmen in externe Startups – typischerweise über eine dedizierte Einheit oder Tochtergesellschaft. Im Gegensatz zu klassischem VC verfolgt CVC neben finanziellen Renditen auch strategische Ziele: Zugang zu neuen Technologien, Innovationsimpulse für das Kerngeschäft und frühzeitige Positionierung in aufstrebenden Märkten.

Wie viele CVCs gibt es in Deutschland?

Deutschland hat 137+ aktive CVC-Einheiten und damit die höchste Dichte in Europa. Global liegt Deutschland auf Platz vier hinter den USA (~800), China und Japan. In den letzten 20 Jahren ist die Zahl aktiver CVCs in Europa um 700 % gestiegen.

Welches ist der größte deutsche CVC?

Nach Assets under Management ist Sapphire Ventures (SAP-nah, $8,8 Mrd.+) der größte – wobei die Unabhängigkeit von SAP die Einordnung als „deutsches CVC“ fraglich macht. Unter den klar konzerngebundenen CVCs führt N47 (Siemens) mit ~EUR 2 Mrd., gefolgt von M Ventures (Merck KGaA) mit EUR 1 Mrd. und BMW i Ventures mit EUR 500 Mio. + $300 Mio.

Ist CVC-Kapital für Startups sinnvoll?

Es kommt auf die Struktur an. CVC-Kapital bietet einzigartige Vorteile – Domänenexpertise, Pilotprojekte, Referenzkunden –, birgt aber Risiken: strategische Vereinnahmung, langsame Prozesse, Kapitalinstabilität. Die Kernfrage für Gründer: Wie autonom operiert das CVC? Einheiten wie N47 oder BMW i Ventures bieten VC-ähnliche Konditionen; enger gebundene CVCs erfordern genauere Prüfung.

Performen CVCs besser als klassische VCs?

Es gibt keine belastbare Evidenz, dass CVCs finanziell besser performen als klassische VCs. Die PwC-Studie zu 123 europäischen Unternehmen zeigt positive Korrelationen mit strategischen Maßnahmen (Patente, Produkteinführungen), aber keinen nachweisbaren finanziellen Performance-Vorteil. Einzelne CVCs wie N47 erreichen VC-Niveau – das ist aber die Ausnahme, nicht die Regel.

Welche Sektoren bevorzugen deutsche CVCs?

Die Investmentschwerpunkte spiegeln die deutsche Industriestruktur wider:

  • Automobil & Mobilität (BMW i Ventures, Porsche Ventures)
  • Energie & Klima (Future Energy Ventures, BASF VC)
  • Industrie & Deep Tech (Bosch Ventures, N47)
  • Software & Enterprise (Sapphire Ventures)
  • Chemie & Materialien (BASF VC, Henkel dx Ventures)
  • Biotechnologie & Healthcare (M Ventures)

Wo investieren deutsche CVCs geografisch?

Überwiegend global mit US-Schwerpunkt. BMW i Ventures und N47 sind in Mountain View bzw. San Francisco ansässig. Bosch Ventures, Porsche Ventures und M Ventures haben Büros in den USA, Israel und Asien. Der Anteil rein deutscher Investments liegt bei den meisten CVCs unter 30 % – was in der deutschen Startup-Szene regelmäßig kritisiert wird.