Deutschland gibt anteilig am BIP genauso viel für Forschung und Entwicklung aus wie die USA. Die Publikationsrate pro 1.000 Einwohner ist nahezu identisch. Beim Europäischen Patentamt führt Deutschland seit drei Jahren die Anmeldestatistik an. Und dennoch: Das Growth-Stage-Investment pro Kopf beträgt ein Zehntel des amerikanischen Niveaus. Zwischen Forschungsergebnis und Marktprodukt klafft eine Lücke – und die Qualität der universitären Spinoff-Programme entscheidet, wer sie schließt.


Wichtigste Erkenntnisse

  • TU München dominiert: 103 Gründungen allein 2024, 21 Unicorns, EUR 2 Mrd.+ VC-Kapital im Ökosystem. UnternehmerTUM ist laut Financial Times Europas größtes Gründerzentrum – zum zweiten Mal in Folge.
  • EXIST wirkt messbar: 3.600 Projekte, EUR 840 Mio. Förderung, ~3.000 Unternehmens­gründungen, 30.000+ Arbeitsplätze. Die Gründungsrate liegt bei 84–85 %, die 5-Jahres-Überlebensrate bei 74–88 %.
  • Die neue Welle – Startup Factories: 10 vom Bund geförderte Startup Factories (seit Juli 2025) verbinden 126 Hochschulen mit 144 Industriepartnern und EUR 110 Mio. privatem Kapital.
  • Das Paradox bleibt: 28 % der deutschen Wissenschaftler wollen gründen – aber nur 3 % tun es. Die Lücke zwischen Forschungsstärke und Kommerzialisierung ist Deutschlands größstes strukturelles Defizit im Innovationssystem.

Die Top-Spinoff-Programme im Überblick

Universität

Programm

Gründungen

Unicorns

Schwerpunkt

TU München

UnternehmerTUM / TUM Venture Labs

103 (2024) / 1.100+ Teams

21

Full-Stack: Deep Tech, AI, Aerospace, Biotech

RWTH Aachen

RWTH Innovation / Gateway Factory

26+ tracked / $523 Mio.

Ingenieurwiss., High Tech, SaaS

KIT Karlsruhe

Gründerschmiede / NXTGN Factory

40+ p. a. / 400+ Teams

AI, Quanten, Medtech, CleanTech

TU Berlin

Centre for Entrepreneurship

~170 seit 2007

Hardware, Software, Stadtentwicklung

LMU München

Innovation & Entrepreneurship Center

235+ / EUR 15 Mrd. Market Cap

Mehrere

Mobility, FinTech, Consumer Tech

TU Dresden

dresden|exists / boOst Factory

145 EXIST-Anträge / EUR 75 Mio.+

Halbleiter, Materialwiss., Photonik

Charité Berlin

BIH Innovation / SPARK-BIH

Laufend

Biomedizin, Digital Health, Gentherapie

Uni Heidelberg

Transfer Office / BioRN

Laufend

Life Sciences, Pharma, Diagnostik


TU München / UnternehmerTUM: Europas Nummer eins

Die Technische Universität München hat 2024 einen neuen Rekord aufgestellt: 103 Startups wurden von TUM-Forschern, Studierenden und Absolventen gegründet – mehr als jede andere deutsche Universität. Das UnternehmerTUM-Ökosystem hat im selben Jahr über 1.100 Startup-Teams betreut. Die Financial Times hat UnternehmerTUM zum zweiten Mal in Folge als Europas größstes Gründerzentrum ausgezeichnet.

Das Ökosystem in Zahlen

  • 21 Unicorns aus dem TUM-Umfeld (Celonis, Lilium, Personio, Isar Aerospace, EGYM, Synthesia, Agile Robots u. v. m.)
  • EUR 2 Milliarden+ an VC-Kapital für TUM-Startups allein 2024
  • 250+ EXIST-Grants seit 2007 – mehr als jede andere deutsche Universität
  • 30+ EXIST-Stipendien allein 2024
  • 70+ Spinoffs pro Jahr im Durchschnitt

TUM Venture Labs: 12 thematische Inkubatoren

Die TUM Venture Labs sind das Herzstück der neuen Strategie: 12 fachspezifische Labs verbinden Gründerteams direkt mit Spitzenforschung – in Quantentechnologie, Healthcare & Biotech, Aerospace, Robotik & KI, Nachhaltigkeit & Energie sowie Halbleiter & Photonik. Jedes Lab bietet Zugang zu Laboren, Prototyping-Infrastruktur, Mentoren aus der Industrie und Investorennetzwerken.

Stärke: Einzigartige Breite und Tiefe – vom Ideenwettbewerb bis zur Series B. 21 Unicorns sprechen für sich.

Schwäche: Die Konzentration auf München verstärkt das regionale Ungleichgewicht im deutschen Startup-Ökosystem.


RWTH Aachen: Ingenieur-Spinoffs und Gateway Factory

Die RWTH Aachen ist Deutschlands größte technische Universität und Europas führende Ingenieurschmiede. RWTH Innovation GmbH verantwortet den Technologietransfer und die IP-Lizenzierung.

  • 26+ getrackte Alumni-Startups mit insgesamt $523 Millionen eingeworbenem Kapital
  • Aktivste Gründungsjahre: 2024 (8 Unternehmen) und 2023 (4 Unternehmen)
  • Top-Sektoren: High Tech (9), Consumer Applications (6), Enterprise Applications (6)
  • Gateway Startup Factory: Gemeinsam mit der Universität zu Köln eine der 10 EXIST-Factory-Gewinner

Stärke: Exzellente Ingenieurs-DNA, starke Industrievernetzung (Automobil, Maschinenbau, Chemie).

Schwäche: Historisch stärker in der Forschung als in der Kommerzialisierung.


KIT Karlsruhe: NXTGN und die Deep-Tech-Pipeline

Das Karlsruher Institut für Technologie (KIT) verbindet als einzige deutsche Einrichtung eine Großforschungsanstalt (Helmholtz) mit einer Volluniversität. Diese Doppelstruktur erzeugt ein einzigartiges Deep-Tech-Potenzial.

  • 40+ Spinoffs pro Jahr
  • 13 aktive Beteiligungen an KIT-gegründeten Unternehmen
  • Seit 2013 über 400 Startup-Teams unterstützt
  • Fokus: AI, Quantentechnologien, Medizintechnik, Umwelttechnologie, Energiewende

NXTGN Startup Factory

Das KIT führt die NXTGN Startup Factory an – eine der 10 EXIST-Factory-Gewinner. Das Konsortium umfasst die Universitäten Stuttgart, Heidelberg, Ulm sowie HdM Stuttgart, IPAI, Campus Founders und Match VC. Ziel: 300+ Deep-Tech-Startups in 5 Jahren und 1.000+ Kooperationsprojekte mit dem Mittelstand. Förderung: bis zu EUR 20 Millionen.

Stärke: Helmholtz-Infrastruktur, starke Materialwissenschaft und Energieforschung.

Schwäche: Karlsruhe fehlt das VC-Ökosystem Münchens oder Berlins; viele Spinoffs verlagern sich.


TU Berlin: Startups für die Hauptstadt

Die TU Berlin betreibt seit 2019 das Centre for Entrepreneurship (CfE) als zentrale Anlaufstelle. Die Lage im Berliner Innovationsökosystem ist ein struktureller Vorteil.

  • ~170 erfolgreich gegründete Unternehmen seit 2007
  • ~10 Startups pro Jahr im Durchschnitt, bis zu 30 Projekte gleichzeitig in Inkubation
  • ~40 High-Tech-Startups jährlich betreut
  • TU-Berlin-Alumni-Startups generierten circa EUR 2,6 Milliarden Umsatz mit ~18.400 Beschäftigten
  • 80 %+ der Gründungen bleiben in Berlin-Brandenburg

Teil der Berlin University Alliance (mit FU Berlin, HU Berlin, Charité) – ein Verbund, der die Startup-Förderung über vier Institutionen bündelt.

Stärke: Berliner VC-Ökosystem direkt vor der Tür, hohe Gründerverbleibrate.

Schwäche: Geringerer Output als TUM trotz vergleichbarer Größe; weniger Unicorns.


Weitere Programme: LMU, Charité, Heidelberg, TU Dresden

LMU München – Innovation & Entrepreneurship Center

  • 235+ Startups im letzten Jahrzehnt
  • Portfolio-Marktkapitalisierung: EUR 15 Milliarden
  • 20.000+ Arbeitsplätze geschaffen
  • Investitionsquote: ~33 % (mehr als doppelt so hoch wie vergleichbare Frühphasen-Acceleratoren)
  • Bemerkenswerte Alumni: FlixBus, Trade Republic, Foodora

Charité Berlin / BIH Innovation

  • SPARK-BIH (seit 2018): Validiert und finanziert biomedizinische Forschungsprojekte für den Transfer
  • BIH Digital Health Accelerator (seit 2017): Unterstützt Kliniker und Forscher bei Digital-Health-Spinoffs
  • Berlin Center for Gene and Cell Therapies: Eröffnung 2028 geplant; Inkubator für 15–20 Startups mit GMP-zertifizierter Produktionsanlage
  • Nationales GCT-Programm selektiert Projekte aus 13 Universitätsstandorten bundesweit

Universität Heidelberg

  • BioRN-Cluster Rhein-Neckar: ~100 Biotech-Unternehmen in der Region
  • beLAB2122: Bis zu EUR 1,5 Millionen pro Projekt für Life-Science-Forscher in der Validierungsphase
  • EIT Health Site Centre in Heidelberg/Mannheim
  • Teil der NXTGN Startup Factory (mit KIT, Stuttgart, Ulm)

TU Dresden / dresden|exists

  • 145 erfolgreiche EXIST-Anträge seit 1999 – neben der TUM die erfolgreichste Uni für Deep-Tech-Spinoffs über EXIST Forschungstransfer
  • EUR 75+ Millionen für Pre-Startup-Projekte eingeworben
  • boOst Startup Factory: Gewinner des EXIST-Startup-Factory-Wettbewerbs für Mitteldeutschland
  • Netzwerk umfasst Helmholtz-Zentrum Dresden-Rossendorf, Leibniz-Institute und drei weitere Hochschulen

Das EXIST-Programm: Deutschlands Gründungsmotor

EXIST ist das zentrale Förderprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft für akademische Gründungen. Seit 2007 hat es sich zum Rückgrat der universitären Startup-Förderung entwickelt.

Die drei Säulen

1. EXIST-Gründungsstipendium: Fördert Studierende, Absolventen und Wissenschaftler mit Stipendien während der Gründungsphase. Gründungsrate: 85 %. 5-Jahres-Überlebensrate: 74 %.

2. EXIST-Forschungstransfer: Zielt auf technologieintensive, forschungsbasierte Spinoffs. Zwei Phasen: Entwicklung und Startup-Finanzierung. Gründungsrate: 84 %. 5-Jahres-Überlebensrate: 88 % – höher als beim Gründungsstipendium.

3. EXIST-Potentiale: Fördert aktuell 142 öffentliche und private Hochschulen. Fokus: Aufbau unternehmerischer Hochschulstrukturen und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

EXIST in Zahlen

Kennzahl

Wert

Geförderte Projekte seit 2007

~3.600

Verteilte Fördermittel

EUR 840+ Mio.

Gegründete Unternehmen

~3.000

Geschaffene Arbeitsplätze

30.000+

Gründungsrate (Stipendium)

85 %

Gründungsrate (Forschungstransfer)

84 %

5-Jahres-Überlebensrate (Stipendium)

74 %

5-Jahres-Überlebensrate (Forschungstransfer)

88 %

Bewerbungsfrist

Bis 31. Dezember 2027


EXIST Startup Factories: Die neue Generation

Im Juli 2025 hat das Bundeswirtschaftsministerium 10 Startup Factories als Gewinner eines Leuchtturmwettbewerbs bekanntgegeben. Das Modell: öffentlich-private Partnerschaften, die akademische Gründungen durch Kombination von Hochschulforschung, Industriekapital und professioneller Startup-Infrastruktur beschleunigen.

Factory

Region

Konsortium (Auswahl)

Unite

Berlin

Berliner Hochschulen, Industrie

Zoho Factory

Bayern

Bayerische Universitäten, Tech-Partner

Factory BSA

NRW

NRW-Hochschulen, Industriepartner

Bryck Startup Alliance

NRW

Weitere NRW-Konsortien

boOst

Sachsen / Mitteldeutschland

TU Dresden, Helmholtz, Leibniz

Impossible Founders

Hamburg / DESY

DESY, Hamburger Hochschulen

Gateway Factory

Köln / Aachen

RWTH Aachen, Uni Köln

GOe FUTURE

Göttingen / Niedersachsen

Uni Göttingen, regionale Partner

NXTGN

Baden-Württemberg

KIT, Uni Stuttgart, Uni Heidelberg, Uni Ulm

  • 126 Hochschulen und Forschungseinrichtungen beteiligt
  • 144 Kooperations- und Finanzierungspartner aus der Wirtschaft
  • ~EUR 110 Millionen an privatem Kapital committet
  • Modell orientiert sich an UnternehmerTUM

Erfolgsgeschichten: Von der Uni zum Unicorn

Celonis – TU München (2011)

Der Archetyp des deutschen Uni-Spinoffs. Drei TUM-Studenten gründeten Celonis nach einem Beratungsprojekt beim Bayerischen Rundfunk. Startkapital: EUR 12.500 und ein EXIST-Gründungsstipendium. Heute: Bewertung von ~$13 Milliarden – Deutschlands einziges Decacorn – mit über 3.000 Mitarbeitern.

BioNTech – Universität Mainz (2008)

Prof. Ugur Sahin, Dr. Özlem Türeci und Prof. Christoph Huber gründeten BioNTech aus der mRNA-Forschung an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Seed-Finanzierung: EUR 180 Millionen von MIG Capital und dem Strüngmann-Family-Office. NASDAQ-IPO 2019 bei $3,4 Mrd. Bewertung. 2025 Übernahme von CureVac für ~$1,25 Milliarden.

Isar Aerospace – TU München (2018)

Drei TUM-Absolventen bauen kommerzielle Orbitalraketen. Gesamtfinanzierung: $654 Millionen. Mit einer EUR 150 Mio. Runde zum Unicorn aufgestiegen. Einer der drei vielversprechendsten europäischen Launcher.

Agile Robots – DLR/TUM-Ökosystem (2018)

Spinoff des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt. Series C zur Unicorn-Bewertung (EUR 186 Mio.); Investoren: Sequoia, SoftBank. Umsatz 2024: ~EUR 200 Millionen (jährliche Verdoppelung). 2025 Übernahme von thyssenkrupp Automation Engineering.

Weitere Uni-Spinoff-Unicorns

Spinoff

Universität

Segment

Status

Celonis

TU München

Process Mining

Decacorn (~$13 Mrd.)

Personio

TU München

HR-Software

Unicorn ($8,5 Mrd.)

Lilium

TU München

eVTOL-Luftfahrt

Unicorn

FlixBus

LMU/TUM

Mobilität

Unicorn

Trade Republic

LMU-Alumni

FinTech

Unicorn

Synthesia

TUM (Co-Founder)

AI Video

Unicorn

EGYM

TUM

Digital Fitness

Unicorn (21. TUM-Unicorn)

CureVac

Uni Tübingen

mRNA-Therapeutik

Akquiriert (BioNTech, ~$1,25 Mrd.)

Mynaric

DLR (München)

Laserkommunikation

NASDAQ-gelistet

Max-Planck-Gesellschaft: Europas Unicorn-Fabrik

Die Max-Planck-Gesellschaft verdient eine Sondererwähnung: Platz 2 in Europa für forschungsgetriebene Deep-Tech-Spinoffs (hinter Frankreichs CNRS), aber Platz 1 für Unicorns – 4 Unicorns mit einer kombinierten Bewertung von über $67 Milliarden.


IP-Transfer: Wie Universitäten geistiges Eigentum handhaben

Status quo

Deutsche Universitäten nehmen typischerweise 2 % bis 10 % Equity an Spinoffs:

  • 5–10 % bei starkem wettbewerbsrelevantem IP (insbesondere Patente)
  • 2–5 % bei moderatem IP (z. B. Software-Copyrights)
  • Im internationalen Vergleich gelten die Prozesse als zu lang und zu kompliziert
  • Es fehlen standardisierte Lösungen für verschiedene Transferkonstellationen

SPRIND IP Transfer 3.0 (Juni 2025)

SPRIND, Stifterverband, Bundesverband Deutsche Startups, HTGF und TransferAllianz haben gemeinsam einen Werkzeugkasten für schnelleren, transparenteren IP-Transfer entwickelt:

  • IP-Wahl-O-Meter: Strukturierte Charakterisierung der IP-Situation
  • IP-Scorecard: Standardisierte Marktbewertung
  • 3-Monats-Prozess: Vorschlag für einen standardisierten Transferprozess
  • Musterverträge: Standardisierte Vertragsvorlagen

Der Koalitionsvertrag 2025 verankert explizit den IP-Transfer zu Spinoffs als politisches Ziel. Das Fraunhofer-HHI-Modell der virtuellen Beteiligungen testet einen alternativen Ansatz: virtuelle Anteile, die erst bei Exit oder Dividende ausgezahlt werden.


Förderung und Kapital: Wer finanziert Uni-Spinoffs?

High-Tech Gründerfonds (HTGF)

  • Fondsvolumen: Über EUR 2 Milliarden (inkl. 2024 Opportunity Fund)
  • 1.182 Investments insgesamt, 159 Portfolio-Exits
  • Gegründet 2005 als Public-Private-Partnership
  • Fokus: Industrial Tech, Deep Tech, Climate Tech, Digital Tech, Life Sciences

Landesförderung

Programm

Bundesland

Volumen

Ticketgröße

Bayern Kapital

Bayern

~EUR 500 Mio. (13 Fonds)

EUR 250K–25 Mio.

IBB Ventures

Berlin

Seed & Series A

Bis EUR 1 Mio. (initial)

NRW.Bank

NRW

State-backed VC

Variabel

Deutschland hat 36 landesfinanzierte VC-Gesellschaften – ein Spiegelbild der föderalen Struktur, das Förderung demokratisiert, aber auch fragmentiert.

WIN-Initiative und weitere Programme

  • WIN-Initiative (September 2024): EUR 12 Milliarden an institutionellem Kapital mobilisiert (KfW, Deutsche Bank, Commerzbank, Allianz)
  • EIC Accelerator (EU): EUR 634 Millionen Budget 2025; Deutschland: 15–19 % der geförderten Unternehmen (führend in der EU)
  • Koalitionsvertrag 2025: EUR 10 Milliarden „Deutschlandfonds“ für die Wachstumsfinanzierungslücke, plus „Gründerurlaub“ (analog zum Elternurlaub)

Herausforderungen und das deutsche Deep-Tech-Paradox

Das Paradox in Zahlen

Deutschland investiert gleich viel in F&E wie die USA (anteilig am BIP), publiziert gleich viel, meldet die meisten Patente in Europa an – aber das Growth-Stage-Investment pro Kopf beträgt ein Zehntel des amerikanischen Niveaus. Fast 50 % der spätphasigen Finanzierung für europäische Deep-Tech-Spinoffs kommt von außerhalb Europas.

Die Intentions-Handlungs-Lücke

  • 28 % der Wissenschaftler in Deutschland wollen Spinoffs gründen
  • Nur 3 % tun es tatsächlich
  • Einige große deutsche Universitäten haben keine einzige Gründungsprofessur
  • Technische Gründer kämpfen ohne betriebswirtschaftlichen Hintergrund um Kapitalzugang

Das Valley of Death

Der BDI identifiziert eine Skalierungslücke in der zweiten und dritten Finanzierungsphase:

  • Frühphasenfinanzierung (EXIST, HTGF, Business Angels) funktioniert
  • Spätphasenfinanzierung (Growth, Pre-IPO) ist strukturell unterversorgt
  • Die Folge: Startups verlassen Deutschland – oder werden zu früh von US-Unternehmen akquiriert

Strukturelle Bremsen

  • Entrepreneurship als „dritte Mission“ der Universitäten – nach Lehre und Forschung, mit niedrigerer Priorität
  • 26 % der deutschen Tech-Startups erwägen eine Verlagerung ins Ausland
  • Nur 23 % der Gründer glauben, dass es genug VC in Deutschland gibt
  • Bürokratische Hürden und kulturelle Risikoaversion bremsen den Transfer

Was sich ändert

  • EXIST Startup Factories als systematischer Brückenbau zwischen Forschung und Markt
  • SPRIND IP Transfer 3.0 für schnelleren Technologietransfer
  • WIN-Initiative und Deutschlandfonds für mehr Wachstumskapital
  • Gründerurlaub als kulturelles Signal
  • Wachsendes Bewusstsein: 126 Erwähnungen von „Innovation“ im Koalitionsvertrag 2025

FAQ

Welche deutsche Universität produziert die meisten Startups?

Die TU München führt mit 103 Gründungen allein 2024 und 21 Unicorns insgesamt. Das UnternehmerTUM-Ökosystem betreut jährlich über 1.100 Startup-Teams. Im Gründungsradar des Stifterverbands belegt die TUM seit vier Jahren Platz 1 unter den großen Universitäten.

Was ist das EXIST-Programm?

EXIST ist das zentrale Förderprogramm des Bundeswirtschaftsministeriums für akademische Gründungen. Es umfasst drei Säulen: Gründungsstipendium, Forschungstransfer und Potentiale. Seit 2007 wurden ~3.600 Projekte mit EUR 840+ Mio. gefördert, die zu ~3.000 Unternehmens­gründungen führten.

Welche Uni-Spinoffs sind am erfolgreichsten?

Gemessen an Bewertung: Celonis (~$13 Mrd., TU München), BioNTech (Uni Mainz), Personio ($8,5 Mrd., TUM), Isar Aerospace ($1 Mrd.+, TUM), Agile Robots (TUM/DLR). Die Max-Planck-Gesellschaft hat 4 Unicorns mit einer kombinierten Bewertung von über $67 Milliarden hervorgebracht.

Wie viel Equity nehmen Unis an Spinoffs?

Typischerweise 2–10 %. 5–10 % bei starkem patentbasiertem IP, 2–5 % bei Software-Copyrights. Der SPRIND IP Transfer 3.0 (2025) arbeitet an Standardisierung und Beschleunigung. Das Fraunhofer-HHI-Modell testet virtuelle Beteiligungen als Alternative.

Welche Förderprogramme gibt es für Uni-Spinoffs?

Die wichtigsten: EXIST (EUR 840+ Mio. seit 2007), High-Tech Gründerfonds (EUR 2+ Mrd., 1.182 Investments), 36 Landes-VC-Gesellschaften, WIN-Initiative (EUR 12 Mrd.), EIC Accelerator (EUR 634 Mio. in 2025), und der geplante Deutschlandfonds (EUR 10 Mrd.).

Warum gründen so wenige deutsche Wissenschaftler?

28 % wollen gründen, aber nur 3 % tun es. Gründe: Entrepreneurship hat an Unis niedrige Priorität („dritte Mission“), fehlende Gründungsprofessuren, bürokratische IP-Transfer-Prozesse, kulturelle Risikoaversion und die Skalierungslücke bei Growth-Finanzierung.

Was sind die EXIST Startup Factories?

10 vom Bund geförderte öffentlich-private Partnerschaften (seit Juli 2025), die 126 Hochschulen mit 144 Industriepartnern verbinden. ~EUR 110 Mio. privates Kapital committet. Ziel: Den Transfer von Forschung zum Markt systematisch beschleunigen, nach dem Vorbild von UnternehmerTUM.